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Die Entstehungsgeschichte des nathan des weisen

die Entstehungsgeschichte des nathan des weisen

Einleitung
Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muss. Religion, durch ihre Heiligkeit und Gesetzgebung durch ihre Majestat, wollen sich gemeiniglich derselben entziehen. Aber alsdann erregen sie gerechten Verdacht wider sich und konnen auf unverstellte Achtung nicht Einspruch machen, die die Vernunft nur demjenigen bewillt, was ihre freie und offentliche Prfung hat halten mssen.” (Hermes, S. 12). Diese Worte Kants fallen in eine Zeit in der die evangelisch-lutherische Kirche und der absolutistische Staat durch das Landeskirchentum ein enges Bndnis geschlossen hatten und so nur schwer angreifbar waren. Das musste auch Gotthold Ephraim Lessing feststellen. Er wurde am 22.1. 1729 im Kamenz geboren und wuchs in der christlichen Tradition des vaterlichen evangelisch- lutherischen Pfarrhauses und der Frstenschule St.

Afra in MeiSsen auf. Obwohl er das vom Vater gewnschte Theologiestudium schon nach einem Jahr abbrach, durchziehen theologische Fragen doch groSse Teile seines Werkes, was besonders im letzen Jahrzehnt seines Lebens sichtbar wurde: Er fhrte nicht nur erbitterte theologische Diskussionen, er veroffentlichte auch ,Nathan den Weisen”, ,Die Freimaurer” und die Erziehung des Menschengeschlechts”. Auf eben erwahnte theologische Diskussion, auch Fragmentenstreit gennant, bei der Lessing die Macht der anfangs genannten theologisch-staatlichen Allianz zu spren bekommt, und auf den darauffolgenden ,Nathan” mochte ich in dieser Arbeit eingehen. Da mein Augenmerk dabei speziell auf dem Thema ,Entstehungsgeschichte des Nathan” liegt, werde ich allgemein beleuchten, was Lessing zum Nathan inspiriert hat, und das war eben nicht nur der Fragmentenstreit, sondern auch andere literarische, historische und biographische Quellen.

Nathan als 12 Anti-Goetze
1767- 69 arbeitet Lessing am hamburgischen Nationaltheater als Dramaturg. Zu dieser Zeit ist Johann Albert Hinrich nicht nur sein Arzt, er darf auch seine Bibliothek bentzen, auSserdem ist er mit Hinrichs Schwester Elise Reimarus gut befreundet. Durch diese beiden Geschwister gelangt Lessing an die ,Apologie oder Schutzschrift fr die vernnftigen Verehrer Gottes”, die deren Vater Herman Samuel Reimarus geschrieben hat. Reimarus ist ein angesehener hamburger Brger, der eine Professur fr hebraisch und orientalisch am Akademischen Gymnasium bekleidet. In seiner Apologie bte der Deist Reimarus eine radikale Bibel-und Dogmenkritik, er ging dabei soweit die Offenbarungslehren zu bezweifeln.

Seiner Meinung nach enthalte die reine Lehre Christi ,eine vernnftige praktische Religion”. Nur durch die Apostel, die Wundergeschichten in ihre Berichte eingefhrt hatten, sei diese Lehre zu dem gemacht worden was sie heute ist, namlich eine Religion die sich mit der Vernunft nicht vereinbaren lasst. Z.B. behauptet er anhand von Widersprchen in der Auferstehungsgeschichte schlussfolgern zu drfen, dass die Jesu Jnger die Leiche des gekreuzigten Jesu selbst haben verschwinden lassen, um durch die Osterpredigt Anhanger zu gewinnen und sich somit selbst zu Aposteln aufwerten zu konnen. Seiner Auffassung nach, hat Gott die Welt erschaffen, mit vernnftigen Naturgesetzen ausgestattet und sie sich dann selber berlassen, so dass sie nun ihren natrlichen Gang geht. Wunder oder gar Offenbarungen haben in Reimarus Religionslehre keinen Platz. So radikal diese Kritik ist, so gefahrlich ist sie auch fr denjenigen, der sie veroffentlicht. Reimarus hat diesen Mut nicht, denn er kann, wie im Vorbericht geauSsert, ,nicht auf Toleranz hoffen”. Lessing dagegen halt die Zeit fr reif: In den Kopfen der Leute sind die Ideen, wenn auch oft in nicht ganz so radikaler Form, weit verbreitet, aber die Kirche verbietet die AuSserung dieser Gedanken. Lessing mochte diese festgefahrenen Bedingungen aufbrechen und eine offentliche Diskussion ber Religion moglich machen.

Doch sein erster Veroffentlichungsversuch scheitert an der Zensur. Erst 1774 findet Lessing eine Moglichkeit, inzwischen arbeitet er in Wolfenbttel in der herzoglichen Bibliothek. Um diese ber die Grenzen der Staat hinaus bekannt zu machen, gibt er die ,Beitrage zur Geschichte und Literattur. Aus den Schatzen der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbttel” heraus, die generell von der Zensur befreit werden. 1774 erscheint das erste Fragment, also nur ein Teil Reimarus Analogie, unter dem Titel ,Fragmente eines Ungenannten. Von der Duldung der Deisten.” Lessing respektiert auf diese Weise den Wunsch der Geschwister Reimarus, Reimarus selbst ist 1768 gestorben, nicht den Originalverfasser zu nennen, denn die Geschwister haben ernsthafte Rufschadigungen und Represalien zu befrchten. 1777 folgen weitere fnf Fragmente unter dem Titel ,Ein Mehreres aus den Papieren des Ungenannten, die Offenbarung betreffend”, 1778 folgt dann das offensivste Fragment indem die Auferstehung angezweifelt wird: ,Von dem Zwecke Jesu und seinen Jngern.” In den Beitragen tragt Lessing aber auch einem weiteren Veroffentlichungsgrund Rechnung; der Wunsch nach religiosen Diskussionen bedeutet fr ihn nicht, dass er mochte Reimarus Lehren sollen sich durchsetzen.

Er lehnt diese genau so ab wie die orthodoxen, also nutzt er den Rahmen auch um an Deismus Kritik zu ben indem er, auSser dem letzen Fragment, allen Fragmenten die ,Gegensatze des Herausgebers” gegenberstellt. Die dabei von ihm eingenommene religiose Anschauung ist dabei schwer zu bestimmen. Er selbst schwankt: ,Was Wunder also, dass meine Lektre ebenfalls [auf Modeschriften] (Lessing meint christliche Schriften H.I.) verfiel und ich gar nicht eher ruhen konnte, bis ich jedes neue Produkt in diesem Fache habhaft werden und verschlingen konnte…Nicht lange, und ich suchte jede neue Schrift wider die Religion nun ebenso begierig auf und schenkte ihr ebendas unparteiische Gehor, das ich sonst nur den Schriften fr die Religion schuldig zu sein glaubte… Ich war von einer Seite zur anderen gerissen, keine befriedigte mich ganz.” (Abhandlungen ber Bibliolaterie).

Und tatsachlich schlieSst er sich keiner der damals gangigen theologischen Vorstellungen an, weder den Neologisten, noch den Deisten oder den Orthodoxen. Seine Ansichten formuliert er in einem der Gegensatze wie folgt: ,Kurz der Buchstabe ist nicht der Geist; und die Bibel ist nicht die Religion. Folglich sind Einwrfe gegen den Buchstaben, und gegen die Bibel, nicht eben auch Einwrfe gegen den Geist und die Religion. Auch war die Religion ehe die Bibel war. Das Christentum war ehe die Evangelisten und Apostel geschrieben hatten…” (Sedding, S.55)

Dies ist also eine Kritik gegen die Orthodoxen, die an die Verbalinspiration glauben. Aber wie gesagt kritisiert er auch Reimarus Position. Die Wundergeschichten halt er fr wahr, aber sie sind fr ihn weder der Grund des Glaubens noch der Beweis, denn: ,Wenn keine historische Wahrheit demonstriert werden kann, so kann auch nichts durch historische Wahrheiten demonstriert werden. Das ist: Zufallige Geschichtswahrheiten konnen der Beweis von notwendigen Vernunftswahrheiten nie werden” (Lessing1967, S. 31-38)

Der Sinn der Wunder ist fr ihn die Aufmerksamkeit auf die schon vorher gltigen Glaubenslehren zu richten, den diese ,Lehren selbst, die vor 1800 Jahren allerdings so neu, dem ganzen Umfange damals erkannter Wahrheiten so fremd, so uneinverleiblich war, dass nichts Geringeres als Wunder und erfllte Weissagungen erfordert werden um erst die Menge aufmerksam darauf zu machen” (ebenda). Und im Grunde halt er den Streit darum auch fr berflssig: ,Was kmmert es mich, ob die Sage falsch oder wahr ist; die Frchte sind trefflich.” (ebenda). Im Grund geht es Lessing um die ,Moral von der Geschicht”, also darum den Geist des Christentums wieder frei zu legen. Dies funktionierte fr ihn aber weder durch eine radikale Verwerfung aller christlicher Wahrheiten, sondern nur durch da Gesprach, die kritische Diskussion. Und genau zu dieser wollte er durch die Herausgabe seiner Schriften andregen.

Aber in einer Zeit, wie ich sie in der Einleitung schon skizizert habe, wurde allein schon die Herausgabe solcher Schriften als Ketzerei angesehen, es ging schlieSslich um religiose Existenzfragen der Kirche. Lessing lost einen allgemeinen Sturm der Emporung aus. Als erstes meldet sich Johann Daniel Schuhmann zu Wort: Er betont das ,Glaube” nichts anderes bedeutet als das simple ,Fr- Wahr- Halten”, ohne die kritische Prfung dessen. Lessing betont in seiner Antwort wieder, dass der Offenbarungsbeweis keine Uberzeugungskraft in sich birgt, sondern die Uberzeugung beruht fr ihn auf ,notwendigen Vernunftswahrheiten”, also auf dem Sinn, den die Menschen historischen Ereignissen verleihen. Ein anderer Gegner Lessings ist Johann Heinrich ReSs; seiner Schrift ,Die Auferstehungsgeschichte Jesus Christi” (Nov 1777) halt er eine ,Duplik” entgegen die Lessing aufklarerisches Denken mit einer Geschichte klar darstellt: , Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheiten und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit , obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte, und sprache zu mir wahle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke, und sagte: Vater gieb! Die reine Wahrheit ist ja doch nur fr dich allein!” (Fick, S. 347)

Der dritte Gegner Lessings, der sich zu Wort meldete und zwar heftiger als jemand vor und nach ihm, ist Goeze, Hauptpastor der Hamburger Katharinenkirche und Senior des Ministeriums, eine Stellung, die der des heutigen Superintendenten gleichkommt. Nicht nur die Position, sondern auch das wissenschaftliche Organ, dass ihm zur Verfgung steht, namlich die ,Freiwilligen Beitrage zu den Hamburgischen Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit” verschafft ihm eine starkere Position als Lessings bisherige Gegner Schon die Uberschrift seiner Gegenschrift kennzeichnet Lessing als Aufrhrer: ,Etwas Vorlaufiges gegen des Herrn Hofrats Lessings mittelbare und unmittelbare feindselige Angriffe auf unsere allerheiligste Religion, und auf den einigen Lehrgrund derselben, die heilige Schrift” aus dem Jahr 1777. Goeze ist ein strenge Vertreter der Verbalinspiration. Die Bibel ist Gottes Wort und damit nicht nur alleinige Grundlage der Religion, sondern auch unumstoSslich und vor allem undiskutierbar wahr. Es kann nicht moglich sein ,die Willkr des, der die Vernunft erschaffen, nach Vernunft zu untersuchen.” (Hermes 14).

Goeze betrachtet die alleinige Tatsache das Lessing die Fragmente auch deutsch veroffentlicht hat als straflich. Er halt es fr unverantwortlich die eh verbotene Diskussion ber die offenbarte Religion auch noch auf Deutsch zu fhren, so dass der Pobel miteinbezogen und zum mitdenken angeregt wurde. Selbstverstandlich war genau dies die Absicht Lessings, ja der eigentliche Grund der ,Fragmente”- Veroffentlichung. Im Marz des gleichen Jahres schlagt Lessing mit ,einer Parabel” zurck. Dieser Text besteht eigentlich aus drei Teilen, der in der Uberschrift angekndigten Parabel folgen noch , Die Bitte” und das ,Absagungsschreiben”. Die ,Parabel” auch ,Palastparabel” genannt, kann ohne weiteres als Vorlaufer der Ringparabel gesehen werden. Sie handelt von einem Konig und dessen Palast, ,von eine ganz besonderen Architektur: denn sie stritt so ziemlich mit allen angenommenen Regeln; aber sie gefiel doch, und entsprach doch …von auSsen wenig unverstandlich; von innen berall Licht und Zusammenhang” (Hermes, S. 15) Die Kenner der Architektur sind aber ber das Gebaude und dessen Architektur irritiert: ,Man begriff nicht, wie durch so wenige Fenster in so viele Gemacher genugsames Licht kommen konne. Denn das die Vornehmsten derselben ihr Licht von oben empfingen, wollte den wenigsten zu Sinne.” (ebenda) auSserdem wunderten sie sich noch ber die zahlreichen Eingange zum Palast. Die Architektur des Palastes fhr immer wieder zu Streit, da es einige gibt, die sich im Besitzt der Grundplane des Palastes glaubten. Das Problem dieser Grundplane ist , das sie ,sich mit Worten und Zeichen bemerkt [fanden], deren Sprache und Charakteristik so gut als verloren war. Ein jeder erklarte sich daher dieser Worte und Zeichen nach eigenem Gefallen”. (ebenda) Von der eigenen Interpretation wollen diese nun die anderen berzeugen. Nur die wenigsten konnen dem entfliehen und sind mit der Tatsache, dass dieser herrliche Palast existiert ,und daSs sich aus ihm nichts als Schonheit und Ordnung und Wohlstand auf das ganze Land verbreitet. (Hermes, S. 16) zufrieden. Als ein Brand im Palast ausbricht, der, wie sich spater heraustellt, nur ein Nordlicht war, holt jeder dieser Grundrissbesitzer seinen Plan heraus und machte sich Gedanken darber, wie der Feuerstelle am besten beizukommen sei, worber man aufgrund der unterschiedlichen Plane in heftigen Streit geriet und dabei ,hatte er denn auch wirklich abbrennen konnen, der Palast, wenn er gebrannt hatte.” (ebenda) Bei dieser Parabel ist es offensichtlich, das Gott als Konig und der Palast als Religion gemeint ist. Die angeblichen Kenner der Architektur, die den Palast kaum von innen kennen und sich sybolischerweise auSsen befinden, sind die Theologen die ihre Grundrisse, also die offenbarte Bibel, auf ihre Art interpretieren und somit neue Glaubenslehren schaffen. Sie sind irritiert, dass der Palast so viele Eingange hat, also das jeder, ohne einer bestimmten Konfession anzugehoren, seinen eigenen individuellen Weg in den Palast, also zum Kern, zu Gott findet.

Ein Feuer aber beweiSst, das ihnen ihre Glaubenslehren wichtiger sind als die eigentliche Religion. Eine sehr bezeichnende Parabel ist in dieser Parabel das Licht, das ,die Vornehmsten… von oben empfingen” (ebenda), ohne das der Palast die notwendigen Voraussetzungen dafr schaffen wrde, namlich die notige Anzahl von Fenstern. Dies weiSst auf die Theorie Lessings hin, dass nicht der Palast, also die Religion die Menschen Gott erkennen und an ihn Glauben lasst, sondern ihre eigne Vernunft, ihre eigene Einsicht. Auch am Schluss der Parabel, taucht das Licht noch einmal als Feuer, das sich als ein Nordlicht herausstellt, auf. Goeze interpretiert dieses Feuer, zu Lessings groSser Belustigung als Reimarus. Lessing aber hatte diese Metapher natrlich viel umfangreicher gemeint. Bezeichnenderweise hieSs die Aufklarung schon damals in England enlightment und in Frankreich lumieres, und Lessing versucht zu verbildlichen, dass das Licht der Vernunft, ohne die Religion, die Menschen erleuchtet, aber das diese erleuteten sich dadurch keinesfalls gegen die Religionen stellen, sondern sich mitten im Palast, also mitten in der Religion befanden. ,Vernunft und Offenbarung bilden keine Gegensatze, sondern sind zwei Seiten des gleichen Christentums.

AuSserdem sorgte die Aufklarung fr Unruhe unter den Grundrissen, also den Theologen, die die Aufklarung fr ein riesiges, die Religion zerstorendes Abendteuer hielten und durch diese Feuersbrunst ihr wahres Gesicht zeigten; nicht wirklich an der Religion, sondern an ihrer eigenen Auslegung dieser sind sie interessiert. Das Fazit dieser Parabel ist also, das die wahren, wenigen Glaubigen, die sich im Palast befinden, das wesentliche der Religion erkennen, namlich das sie ,Schonheit und Ordnung und Wohlstand auf das ganze Land verbreitet” (ebenda) und das sie diese Verbreitung so gut wie moglich untersttzen wollen, und damit zu Gottes ,Gehlfen” werden. Kontraproduktiv sind dagegen diejenigen, die sich ber die richtige Auslegung der Religion streiten und diese selber darber ganz vergessen. Diese Erkenntnis unterscheidet sich nicht von der, der Ringparabel aus Lessings ,Nathan der Weise”.

Und auch wie die Ringparabel hatte auch die Palastparabel ein literarisches Vorbild: die Erzahlung von Haiy Ibn Yaqzan, die von einem arabischen Artz Namens Abu Bakr Ibn Tufail, der 1185 in Andalusien gestorben ist. Da die Aufklarung auch die erste Bltezeit der Orientalistik war, kann davon ausgegangen werden, dass Lessing diese Geschichte kannte. (vgl. Kuschel, S. 118 f.) Haiy Ibn Yaqzan wachst allein auf einer Insel auf, nur eine Gazelle saugt ihn. Dort erlangt er zur Erkenntnis Gottes und das ausschlieSslich durch seine Vernunft, ohne ein Buch gelesen oder mit einem anderen menschlichen Wesen gesprochen zu haben. Auf der Nachbarinsel leben die Menschen nach einer offenbarten Religion und sie halten sich an ihre Gesetze, Salaman ist dort der fhrende geistliche Gelehrte, eine Art Papst. Aber auSser ihm gibt es noch einen zweiten Weisen, namlich Absal, ist in der Lage die eigentliche Wahrheit hinter all den Regeln und Riten der Religion zu erkennen. Absal gelangt nun auf die Nachbarinsel, wo er auf Haiy Ibn Yaqzan trifft.

Obwohl der eine seine Religion durch Vernunft, der andere sie durch Offenbarung bekommen hat verstehen sie sich in religiosen Fragen. Als sie nun auf die Nachbarinsel fahren, wo Salaman das Sagen hat, stossen sie mit ihren Ansichten, die sie den Menschen zu vermitteln versuchen, auf Ablehnung. Sie mssen erkennen das ihr Weg zur Religion nur fr wenige Menschen annehmbar ist, die meisten brauchen einfach feste Regeln, an die sie sich halten konnen. In dieser Parabel wird das, was in Lessings Parabel als innerhalb und auSserhalb des Palastes beschrieben wird, als zwei Inseln dargestellt. Auch bei Lessing gibt es nur wenige, die die wahre Religion erkennen, aber diese ziehen sich in Lessings Parabeln, zumindest in der Ringparabel, nicht zurck, sondern betreiben Aufklarung und das erfolgreich. Einer weiter Gemeinsamkeit zu Lessings Parabeln bestehen bei Ibn Tufail darin, dass er eine Person konstruiert, die ihre Religion allein durch Offenbarung erhalten hat, aber trotzdem hinter ihren Gesetzen und Regeln die wahre Religion erkennt. Dies konnte bei Lessing Nathan sein, der zwar jdisch erzogen ist, aber trotzdem das Verbindende und damit den eigentlichen Kern der Religionen erkennt.

In Folge dessen werden die Auseinandersetzungen immer personlicher. Goezens ,Etwas Vorlaufiges” setzt Lessing seine ,Axiomata, wenn es deren in dergleichen Dinge gibt” entgegen, vorauf dann vorauf dann Lessing 11 ,Anti- Goeze” Schriften folgen. Ihnen lag mehr die Diskussion zu Grunde, ob berhaupt diskutiert werden drfe. Es ging immer wieder um das Volk, dem Pobel, denn Lessing aufwhlen wollte. Er hatte vor eine Offentliche Diskussion anzuregen, die zur Aufklarung des Volkes fhren sollte. Aus dem siebten ,Anti-Goeze” stammt folgendes Zitat: ,Oder meinen sie auch Herr Hauptpastor, daSs es gleich viel ist, was die Verstandigen im Verborgenen glauben; wenn nur der Pobel, der liebe Pobel fein in dem GleiSse bleibt, in welchem allein, in die Geistlichen zu leiten verstehen?” (Albrecht, S. 84) Lessing stellt sich die Frage, ob sich also Reimarus Schriften auch rechtfertigen wrden, wrde sie das Volk annehmen.

Wahrend Lessing also versucht die Diskussion anzufachen, will Reimarus zum eigentlichen Kern, namlich zur Religionsfrage zurckzukehren. In ,Lessings Schwachen”, seine Antwort auf den ,Anti-Goeze” schreibt er: ,Ich habe aber meine sehr gegrndeten Ursachen, warum ich, ehe ich auf dieser Bahn eine Schritt mit ihm weitergehe, von ihm selbst eine vollig runde, und von aller Zweideutigkeit entfernten Erklarung ber die Fragen: Was fr eine Religion er durch die christliche Religion verstehe und was fr eine Religion er selbst fr die wahre erkenne und annehme?” (von Dffel, S. 95) Lessings ,Notige Antwort auf eine sehr unnotige Frage” lautet: , Ich antworte auf die vorgelegte Frage … daSs ich unter der christlichen Religion alle diejenigen Glaubenslehren verstehe, welche in den Symbolis der ersten vier Jahrhunderte der christlichen Kirche enthalten sind.” (von Dffel, S. 96). Goeze reicht diese Antwort nicht aus. Lessing antwortet im Oktober 78 noch mit der ,Notige[n] Antwort auf eine sehr unnotige Frage. Erste Folge.” Goeze reicht es. Er wendet sich direkt an den braunschweigischen Herzog der in einem Zensuredikt (vom 13.7.1778)

Lessing verbietet den offentlichen theologischen Disput forzusetzen. Lessing hofft anfanglich noch, dass dieses Veroffentlichungsgebot nur auf das Herzogtum Karls bezieht, aber am 17.8.1778 wird ein zweite Verordnung nachgeschoben, die ihm verbietet ,das er in Religionssachen, so wenig hier als auswarts, auch weder unter seinem noch anderen angenommenen Namen, ohne vorherige Genehmigung” publizieren darf. (Mobius, S. 17). Aber Lessing hat schon einen neuen Plan. Er schreibt an Elise Reimarus. ,Ich muSs versuchen, ob man nicht auf meiner alten Kanzel, auf dem Theater wenigstens, noch ungestort will Predigen lassen.” (von Dffel, S. 102) An seinen Bruder Karl Lessing schreibt er Konkreteres: ,…da habe ich diese vergangene Nacht einen narrischen Einfall gehabt. Ich habe vor vielen Jahren einmal ein Schauspiel entworfen, dessen Inhalt eine Art von Analogie mit meinen gegenwartigen Streitigkeiten hat, die ich mit damals wohl nicht traumen lieSs …

Ich mochte zwar nicht gern, daSs der eigentliche Inhalt meines anzukndigenden Stcks allzu frh bekannt wrde; aber doch wenn ihr, …, ihn wissen wollt, so schlagt das ,Decamerone” des Boccaccio auf; Giornata I, Nov. III Melchisedech Gindeo… Ich glaube [dass H.I.] ich gewiSs den Theologen einen argeren Possen damit spielen will, als noch mit zehn Fragmenten.” (von Dffel, S.100). Dieses ist die Ankndiung zu ,Nathan der Weise”, den Friedrich Schlegel die ,Fortsetzung von ,Anti-Goeze’ Numero zwolf” (Albrecht, S. 87) Schon im April 1779 wird auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt, aufgefhrt wurde das Stck allerdings erst zwei Jahre nach Lessings Tod an 14.4.1783 in Berlin.

Vorbilder /Quellen zum ,Nathan der Weise”
Literarische
Im Nathan kann man von einem Herzstck des Dramas sprechen, namlich der Ringparabel. Die Rahmenhandlung dachte sich Lessing selber aus, fr die Ringparabel gab es jedoch zahlreiche Vorbilder. Das Motiv der drei Ringe als Methapher fr die drei Religionen tauchte schon ein der mitteralterlichen Geschichtensammlung ,Anecdotes Historiques, Legendes et Apologues” des Dominikaners Etienne de Bourbon auf. Hier stand der wundertatige Ring fr die christliche Religion. In der altfranzosischen Verserzahlung ,Dit dou vrai aniel” (Vom echten Ring) das zwischen 1270-1294 erschienen ist, taucht dieses Motiv wieder auf. Ein weiterer Beleg findet sich in einer alten jdischen Anekdote, die der Rabbi Salomon Ibu Verga in seinem Buch ,Schebet Jehuda” um 1480 aufgezeichnet hat. Sie handelt von einem Juden, der von einem Konig die gleiche Frage wie Nathan gestellt bekommt und wie er auch auf zwei Brder mit identischen Ringen verweist, deren Wert man nicht bestimmen konnte. Dem Konig wird empfohlen einen Boten in den Himmel zu schicken und Gott nach dem besseren Gesetz zu fragen. Doch diese Quellen kannte Lessing wohl nicht.

Die erste Quelle, in der dieses Motiv auch auftaucht und von der angenommen wird das sie Lessing kannte ist die ,Gesta Romanorum”, die bedeutenste Marchen- und Legendensammlung des Mittelalters (frhes 14. Jhd.). In der wolfenbttler Bibliothek war eine lateinische Handschrift, ein Druck des lateinischen Vulgertextes und eine alte deutsche Ausgabe dieser Sammlung vorhanden, von denen Lessing letztere nutzte. Die eigentliche, unmittelbare Quelle fr Lessing ist aber die 3. Novelle des ersten Tages aus Giovanni Boccaccios ,Decamerone” (1349-52). Dies betont er auch immer wieder Fremden gegenber und auch in einem Entwurf zu einer Vorrede Nathans erwahnt der den ,Keim” seines Nathan, nur in der eigentlichen Vorrede ist von diesem Hinweis nichts mehr vorhanden. In der dritten Geschichte des Decamerone wird die Geschichte des Juden Melchisedech erzahlt, der durch seine Klugheit einer misslichen Lage entfliehen kann. Saladin, der Sultan von Babylon versucht Melchisedech, ,der in Alexandrien auf Wucher lieh” durch die Frage ,welches unter den drei Gesetzen du fr das wahre halst, das jdische, das sarazenische oder das christliche.” (von Dffel, S. 76) hereinzulegen. Melchisedech ,war in der That ein weiser Mann… So bot er dem schnell sein ganzen Scharfsinn auf um eine unverfangliche Antwort, wie sie ihm noth that zu finden.” (ebenda)

Er antwortet durch das erzahlen einer Geschichte: Vor Zeiten lebte ein reicher Mann unter dessen Juwelen ein besonders kostbares Stck war, ein besonders kostbarer Ring ,Um diesen seinem Werthe und seiner Schonheit nach zu ehren und ihn auf immer in dem Besitze seiner Nachkommen zu erhalten, ordnet er an, daSs derjenige unter seinen Sohnen, der den Ring, als vom Vater ihm bergeben, wrde vorzeigen konnen, fr seinen Erben gelten und vor allen den anderen als der vornehmste geehrt werden solle.” (von Dffel, S. 76) Diese Tradition wurde ber viele Generationen fortgefhrt, bis zu dem Zeitpunkt als ein Vater sich unter seinen drei Sohnen nicht entscheiden konnte. Jeder der Sohne begehrte den Ring und am Schluss wusste sich der Vater nicht besser zu helfen als zwei Kopien des Ringes anfertigen zu lassen. So erhielt jeder Sohn ein Ring, der den anderen identisch war und von denen niemand den wahren erkennen konnte.

Melchisedech beschlieSst seine Geschichte mit folgenden Worten: ,So sage ich euch denn, mein Gebieter, auch von den 3 Gesetzen, die Gott der Vater den drei Volkern gegeben, und ber die ihr mich befraget. Jedes der Volker glaubt sein Erbschaft, sein wahres Gesetz und seine Gebote zu haben, damit es sie befolge. Wer es aber wirklich hat, darber ist, wie ber die Ringe, die Frage noch unentschieden.” (von Dffel, S. 77). Saladin war von diesem geschickten aus der Falle ziehen so beeindruckt, dass er Melchisedech reich belohnte und mit ihm befreundet blieb. Diese Geschichte diente Lessing aber bloSs als Anregung zu seiner Ringparabel er modifizierte sie natrlich noch, den seine Absicht war eine andere, er setzte einen anderen Akzent. Boccaccio geht es in seiner Novelle um Klugheit im Sinne listigen Verhaltens, er will zeigen, ,daSs Torheit uns oft vom hochsten Glck ins groSste Elend strzt, Verstand hingegen den Klugen aus den groSsten Gefahren reiSst.” Lessing geht es vielmehr um Klugheit im Sinne von Weisheit.

Er will mit dieser Geschichte aufklaren und erziehen. Das merkt man an zahlreichen kleinen, aber entscheidenden Veranderungen der Vorlage: Angefangen beim Namen und der Darstellung des Nathans. Den Namen ,Nathan” entnimmt Lessing der dritten Novelle des zehnten Tages des Decamerone. In dieser Geschichte geht es um einen sehr weiSsen Mann, und somit ist der Name fr alldiejenigen die das Decamerone gelesen haben positiv besetzt. Ganz der Rolle des Listitigen entsprechend wird der Melchisedech nicht besonders positiv gezeichnet: Melchisedech ist zwar reich und klug, aber auch geizig: ,Da erinnerte er sich eines reichen Juden, Namens Melchisedech, der in Alexandrien auf Wucher lieh und nach Saladins dafrhalten wol im Stande gewesen ware, ihm zu dienen, aber so geizig war, daSs er es von freien Stcken nie gethan haben wrde.” (von Dffel, S.75/76).

Melchisedech Absicht ist es nicht zu belehren, nicht die Welt durch Aufklarung zu verbessern, er will sich nur aus einer verzwickten Situation mit einer ,unverfanglichen Antwort” (ebenda) befreien. Dieser Darstellung entspricht genau der, der Juden jahrjundertlang ausgeliefert waren, und die Christen von Generation zu Generation weitergaben. Lessing versucht ein positives Gegenbild zu zeichnen: Sein ebenfalls reicher Nathan ist nicht klug, sondern weise, d.h. er nutzt sein Wissen und seinen Verstand nicht nur fr seine Zwecke, sondern auch fr andere, den seiner Intelligenz liegt Menschlichkeit zu Grunde. Lessing Nathan ist groSszgig, er verleiht zwar kein Geld, aber nur damit er genug hat um den Armen zu geben. ,Nur darum eben leiht er keinem, Damit er stehts zu geben habe.” (Lessing, S. 37). Das er damit gegen damalige Vorurteile angehen musste war ihm klar: ,Dergleichen Leute [Moslems, Juden H.I.] in einem weniger abscheulichen Licht vorzustellen, als in welchem der christliche Pobel sei gemeiniglich erblickt. (von Dffel, 113).

Auch die Fragenstellung des Saladins ist leicht variert. Fragt er in der Boccaccion Version nur danach welche Religion Melchisedech fr die Wahre halte, so stellt Lessing Saladin noch eine konkretere Zusatzfrage: Er mochte Wissen welche Grnde Nathan fr seine Entscheidung fr eine, ihm doch nur vom ,Zufall der Geburt… hingeworfen[e]” (Lessing, S. 62) Religion hat. Auch die Darstellung des Ringes ist bei Nathan eine andere. Bei Boccaccio ist der Ring einfach nur ,wunderschon und kostbar” (von Dffel, S, 76) seinen Wert erhalt er insbesondre dadurch, dass er den Erben kennzeichnen soll. Bei Lessing hat der Ring geradezu mystische Eigenschaften. Er ,hatte die geheime Kraft, vor Gott/ Und Menschen angenehm zu machen, wer/ In dieser Zuversicht in trug.” (Lessing, 64)

Also hatte dieser Ring nicht nur ein finanziellen Wert, sondern einen wesentlich groSseren, namlich den, durch ihn geliebt zu werden, aber auch nur wenn man daran glaubt. Findet sich in Boccaccios Erzahlung keine Beschreibung der Optik des Ringes, so beschreibt Lessing in als Opalring ,der hundert schone Farben spielte.” (ebenda) Allein dieser Hinweis sagt schon sehr viel ber Lessings Auffassung von Religion: Die verschiedenen Religionen konnen als Farben ein und derselben Grundlage interpretiert werden. Der wichtigste Unterschied zwischen Lessings und Boccaccios Versionen ist allerdings das Ende. Boccaccio schlieSst die Parabel mit der Erkenntnis ab, das jeder denkt er ware im Besitz der richtigen Religion, aber welche sie nun wirklich ist, ist unentschieden. Saladin erkennt am Schluss nur eines: Das Melchisedech ein kluger Mann ist, der seiner Falle entkommen ist.

Wirklich aufklarerische Aspekte enthalt Boccaccios Parabel nicht. Doch genau dieser Aspekt ist Lessings eigentliche Grund eine eigene Version dieser Geschichte aufzuschreiben. Also fgt er einen erweiterten Schluss an, der der Parabel erst ihren ,padagogischen” Inhalt verleiht: Auf die Frage Saladins, wieso er drei offensichtlich unterschiedliche Religionen mit drei identischen Ringen vergleicht, antwortet Nathan ihm, dass die Religionen im entscheidenden Punkt doch alle identisch waren, namlich in ihrer historischen Bedingtheit. Jeder hatte seine Religion von seinem Vater empfangen und durch das Leben mit der Religion auch gemerkt wie gut und weise die eigene Religion ist. Wie solle er nun seinen Vater lgen strafen? Nathan antwortet somit auch auf die Frage, wieso er bei seiner vom Zufall hingeworfenen Religion bleibe. Hier stoSsen, wie auch bei Lessings und Goezes Diskussion, zwei Anschauungen aufeinander. Saladin sieht den Unterschied der Religionen, er sieht ihre unterschiedlichen Riten und Verhaltensgebote, die ja auf die Offenbarung zurckzufhren sind, die in der Bibel oder in einem anderem religiosen Werk niedergelegt sind. Seine Religion beruht also offensichtlich wie die Goezes auf der Offenbarung.

Nathan vertritt auch Lessings Meinung, dass die Religion durch den Menschen als die seinige akzeptiert wird, weil er durch die Vernunft einsieht, das sie ihm und anderen ntzt und dies ist bei jeder Religion der Fall und somit das Verbindende zwischen ihnen. AnschlieSsend folgt bei Lessing ein Gerichtsverhandlung bei der ein weiser Richter einem der Brder recht geben soll. Auch der Richter findet keine Antwort, oder zumindest nicht die von den Brdern erhoffe, sondern er erteilt ihnen stattdessen einen Rat: ,Hat von/ Euch jeder seinen Ring/ Den echten…/ -Wohlan!/ es eifere jeder seiner unbestochenen/ Von Vorurteilen freien Liebe nach!/ Es strebe von euch jeder um die Wette,/ Die Kraft des Steins in seinem Ring an den Tag/ Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,/ Mit herzlicher Vertraglichkeit, mit Wohlthun,/ mit innigste Ergebenheit zu Gott/ Zu Hilf! (Lessing, S. 67).

Der Richter schlieSst mit der Feststellung, dass in tausend Jahren ein anderer Richter vielleicht weiser entscheiden konne. Hier wird nun ganz deutlich, dass es Lessing darum geht die Unterschiede der groSsen Religionen zu relativieren und herauszuarbeiten was ihnen gleich und was dadurch auch der wichtigste Punkt der Religionen ist: Der Glaube und die daraus resultierende Menschlichkeit. Nur durch Demonstration und Auslebung dieser Menschlichkeit kann man seine Religion als die einzig wahre beweisen Das die Parabel erzieherische Wert haben soll, zeigt Lessing auch an Saladins Reaktion: ,Bei dem Lebendingen! Der Mann hat Recht./ Ich muss verstummen” (Lessing, S. 66) Saladin ist vollig verstort und berwaltigt von Nathans geauSserten Weisheiten. Nathan hat es nicht wie bei Boccaccio geschafft Saladin nur zu berlisten, er hat ihn erzogen und aufgeklart.

Zusatzlich zu dieser Auklarung verbindet er in dieser Erzahlung zwei thematische Dimensionen: ,Die Spannung zwischen Ideal (Liebesgebot) und Wirklichkeit (Religionskriege) [und] Vernunft (natrliche Religion) und Offenbarung (Geschichte).” (Hermes 34) Fr dieses Ende hatte Lessing aber auch Vorbilder in der Literatur. Zum einen war das der Koran, der schon im 12 Jahrhundert ins lateinische bersetzt worden war: ,Wenn Gott gewollt hatte, so wrde er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht haben. Aber er teilte euch in verschiedene Gemeinschaften auf und wollte euch so in dem, was er euch von der Offenbarung gegeben hat, auf die Probe stellen. Welt eifert nun nach den guten Dingen! Zu Gott ihr dereinst allesamt zurckkehren und dann wird er euch Kunde geben ber das, worber ihr im Diesseits uneins wart. (Sure5, 48)

Hier wird ganz deutlich, viel deutlicher als bei Lessing, der das ganze nur andeutet ,Moglich; daSs der Vater um/ Die Tyrannei des einen Rings nicht langer/ in seinem Hause dulden wollen!”, dass die Unterschiedlichkeit der Religionen nicht aus einem Zufall besteht, nicht aus einer von Gott nicht beabsichtigten Auslegung der Religion, sondern das dies volle Absicht Gottes war, mit den Hintergedanken durch das Wetteifern noch den positiven Effekt des Glaubens zu verstarken. Auf eine andere Vorlage Lessings wird wortwortlich vewiesen. Der Richter in der Parabel fragt, wer von den Brdern den am beliebtesten sei, dies ware doch die einfachste Art den Ring ausfindig zu machen. Doch als niemand darauf antworten kann, sagt der Richter: ,Ihr schweigt?/ Die Ringe wirken nur zurck? Und nicht/ Nach auSsen? Jeder liebt sich selber nur/ Am meisten? -Oh ihr seid alle drei /Betrogene Betrger”. (Lessing, S. 67).

In seiner Vorlage findet sich der Ausspruch: ,Bis dahin sind diejenigen, die ihre Religion als einzig wahre hinstellen, Betrger und ihre Anhanger, welche andere Religionen als Irrlehren verfolgen, statt die Gebote der eigenen Religion zu befolgen, betrogenen Betrger.” (Hermes, S. 35)
Es handelt sich hierbei um ,De tribus impostoribus” (Das Buch von den drei Betrgern). Erste Drucke dieses tauchen im 18. Jahrhundert auf, im 17. Jahrhundert wird es wahrscheinlich das erste Mal schriftlich fixiert. Seid dem Mittelalter wird diese Geschichte allerdings schon berliefert, ursprnglich soll sie auf Moses Maimoides aus Cordoba zurckgehen, bei dem es sich um einen Arzt und Philosophen handelte, der von 1135-1204 gelebt hat. Es gibt zwei Versionen der Geschichte, eine tolerante und eine intolerante. Bei Zweiterer werden nur die Vertreter der anderen Religionen als Lgner hingestellt, bei Ersterer wird auch die eigene Ansicht relativiert.

Biographisch
Der Fragmentenstreit war nicht nur der Ausloser fr Lessing ,Nathan den Weisen” zu veroffentlichen, sondern setzte sich in ihm fort. Goeze diente z.B. als Vorbild des Patriarchen. (vgl. Mobius 18 f.) Zwar gab es wirklich einen Mann in Jerusalem, dem man den Ehrentitel Patriarch gab, ein christlicher Bischof, aber Lessings Patriarch ist eindeutig nicht nach diesem historischen Vorbild, sondern nach Lessings eigner Erfahrung mit einem Vertreter der Kirche, namlich nach Goeze, konzipiert. Der Patriarch vetritt nicht nur die gleichen Werte wie Goeze, Lessing hat ihm sogar ein paar Zitate Goezes in den Mund gelegt, z.B. , Wer darf/ Sich da noch unterstehen, die Willkr des,/ Der die Vernunft erschaffen, nach Vernunft/ Zu untersuchen. (2486) oder ,Gottlob! Wir haben das Original./ Wir haben seine Hand, sein Siegel. Wir!-/” (2575)

Dies trifft wirklich den Kern des Fragmentenstreits, die Disskusion um Vernunft oder Offenbarung als Zugang zum Glauben. Aber auch ,Randerscheinungen” des Fragmentenstreits thematisiert Lessings indem er seinen Patriarchen sagen lasst: ,Den Bosewicht/ Den Juden mit nicht nennen ?- mit ihn nicht/ Zur Stelle schaffen? – Oh, da weiSs ich Rat!/ Ich geh sogleich zum Sultan. -Saladin,/ Vermoge der Kapitulation,/ Die er uns beschworen, muss und schtzen;/ Bei allen Rechten allen Lehren schtzen, / Die wir zu unserer allerheiligsten/ Religion nur immer rechnen drfen!” (2568 f.) Hier wird eindeutig auf den Zensuredikt angespielt, den Goeze bewirkt hat. Aber auch die Tatsache, dass Goeze damit ja nur den Pobel schtzen wollte, indem er den, fr das Volk so wichtigen, christlichen Glauben reinhalten, taucht in des Patriarchen Worten auf: ,Auch mach ich ihm gar leicht begreiflich, wie/ Gefahrlich selber fr den Staat es ist,/ Nichts glauben! Alle brgerlichen Bunde/ Sind aufgelost, sind zerrissen, wenn/ Der Mensch nicht glauben darf!” Obwohl der Patriarch sich so fr seine Religion einsetzt, scheint er doch nicht im geringsten Verstanden zu haben worum er es eigentlich in der Religion geht, und zwar in jeder: um Mitmenschlichkeit.

Nathans Tat, ein Kind aufzunehmen und im ,falschen” Glauben zu erziehen halt er fr frevelhaft. Alle noch so vernnftigen und menschlichen Einwende schmettert er auf geradezu kindische Weise mit den Worten ,Tut nichts! Der Jude wird verbrannt.” ( 2547, 2553, 2557) ab. An dieser Stelle wirkt der Patriarch wie eine Karikatur Goezes, und Goezes wird dadurch auch personlich beleidigt. Aber auch Goezes personliche Angriffe auf Lessing arbeitet Lessing in seinen Text ein: ,Denn ist der vorgetragene Fall nur so/ Ein Spiel des Witzes: so verlohnt es sich/ Der Mhe nicht, im Ernst ihn durchzudenken./ Ich will den Herrn damit auf das Theater/ Verwiesen haben, wo dergleichen pro/ Et contra sich mit vielem Beifalle konnte/ Behandeln lassen.” (2519 f.). Da er in diesem Falle Nathan meint, der aber nichts mit dem Theater zu tun hat, ist klar das hier eigentlich Lessing selber gemeint ist und der Patriarch somit Goeze ist. Hermes sieht Goeze aber auch in Saladin. So ist es schlieSslich er, der die entscheidende Frage nach der einzig wahren Religion stellt, sowie es gegen Ende des Fragmentenstreits auch Goeze getan hat.

Auch rechnen beide, Saladin und Goeze, mit einer Antwort, die sich zu einer offenbarten Religion bekennt, beide sind ber die tatsachlich gegebene Antwort berrascht. Der Unterschied: Wahrend Goeze daraufhin ein Zensuredikt veranlasst, ist Saladin belehrt, nicht in dem Sinne das er seine alten Religionen untreu wird, aber er hat mehr Verstandnis fr die anderen Religionen und nicht mehr das Bedrfnis, die seinige als einzig wahre zu deklarieren. Auch bei Nathan selbst werden wohl mehre Charaktere in die Rolle eingeflossen sein. Zum einen wird Nathan selber sich mit der Rolle identifiziert haben konnen. Lessing schreibt den Nathan kurz nachdem seine Frau Eva Konig nach einjahriger Ehe am 10. 1. 1778 im Wochenbett verstirbt. Am 31.12.1777 war auch, wenige Stunden nach der Geburt, ihr gemeinsamer Sohn verstorben. Lessing bleibt mit den drei Stiefkindern alleine zurck.

Nathans Situation ist fast die gleiche. Auch er hat seine Frau und sein sieben Sohne verloren und auch er hat daraufhin ein Stiefkind aufgenommen. Nur stellt Lessing Nathans Situation noch dramatischer dar, denn Nathans Familie fiel einem Brandanschlag zum Opfer, den Christen verbt hatten. Das er trotzdem nicht alle Christen hasst, hat er seiner Vernunft zu Verdanken, und durch diesen Umstand wird natrlich auf noch Nathans Weisheit betont. Aber noch viel mehr als sein personliches Schicksal, verbinden Lessing und Nathan ihre religiosen Ansichten, was eigentlich nur eine logische Konsequenz aus der Tatsache ist, dass Lessing den Nathan aus der Not heraus schrieb, nicht mehr selbst offentlich zu religiosen Themen Stellung nehmen zu drfen. Aus einem Entwurf zu einer Vorrede Nathan stammt folgende Zitat: ,Nathans Gesinnung gegen alle positiven Religionen ist von jeher die meinige gewesen.” (von Dffel, 113).

Ein anderes Vorbild Nathans lasst sich in Lessings langjahrigem Freund Moses Mendelssohn ausmachen. Moses Mendelssohn war als bettelarmer, missachteter und rechtloser Jude nach Berlin gekommen, er hatte sich aber mit Willen und FleiSs zu einem angesehenen, wrdigen und klugen Brger entwickelt, der asthetische und moralische belehrende Aufsatze schrieb und selbst ber die Grenzen PreuSsens hinaus geachtet war. Lessing lernte in im Jahr 1754 kennen und erarbeitete mit ihm die Schrift ,Pope, ein Metaphysiker”, indem sie Popes Lehren nach ihrer Sicht interpretierten. Im Jahr 1769 wurde Moses Mendelssohn von Johann Kaspar Lavater die Frage gestellt, welche er fr die wahre Religion halte, die jdische oder die christliche. Mendelssohn war damals noch nicht so gewandt wie Lessing oder Lessings Nathan spater. Er antwortete nicht und durch offentlichen Druck nahm Lavater seine Frage zurck. Ein anderes Detail, das darauf schlieSsen lasst, dass Mendelssohn Vorbild fr den Nathan war, ist der Name von Mendelssohns Tochter: Recha. Auch fr Al- Hafi gab es wohl mehrere Vorbilder.

Eines davon konnte Abraham Wulff gewesen sein. Er wohnte zeitweise im Haus von Moses Mendelssohn und war der Sekretar und Diener des Kaufmanns Nathan Meyer. In dessen Hause wird Abraham Wulf mit ,Arlequin sauvage” ausgesprochen, ein Name der soviel wie ,wilder Inder” bedeutet und aus der gleichnamigen Komodie von Delisles stammt. In dieser ist der ,Arlequin sauvage” ein begabter Sonderling, der der Zivilisation entgegengestellt wird. Nach Auskunft Sara von Grotthus ist Al-Hafi Abraham Wulff sehr ahnlich. Ein weiteres Vorbild Al- Hafis konnte der Kunsthandler und Schutzjude Alexander Daveson gewesen sein. Bis zu seinem Tod ist er sehr eng mit Lessing befreundet, Lessing stirbt sogar in seinen Armen. Ihm ist der Wunsch zur Emigration mit Al- Hafi gleich. Lessing sucht fr ihn sogar nach einem Emigrationsland und er fragt Mendelssohn, ob er nicht ein Land kenne, wo es weder Christen noch Juden gibt. Nach Lessings Tod entschlieSst sich Daveson dann schlieSslich fr die Emigration nach England. (vlg. Kroger 16 f.).

Historisch
Lessings Drama spielt in Jerusalem- ein heiliger Ort und zwar fr alle drei Religionen. Ein besseren Ort um die Frage der wahren Religion und deren Geschichte zu klaren, hatte man nicht wahlen konnen. Auch damit die Botschaft der Ringparabel, dass Religion sich nur durch echte Mitmenschlichkeit beweiSst, ins Schwarze trifft, wahlte Lessing zusatzlich auch noch die zeit der Kreuzzge aus: 1099 wird durch den ersten Kreuzzug das christliche Konigreich Jerusalem gegrndet. Um das Land zurckzuerobern und die vielen Opfer zu rachen, schlagt Saladin 1187 zurck und besiegte das christliche Heer. Der dritte Kreuzzug wird gleich von mehreren Personen versucht: von Kaiser Friedrich Barbarossa, der unterwegs ertrinkt, von Richard Lowenherz, dem Konig von England und Philip August II, dem Konig von Frankreich. Nachdem es 1191 gelingt Akkon zu erobern, wurde 1191 zu erobern, wird 1192 erst einmal ein Waffenstillstand geschlossen, der von Tempelrittern eines christlichen Ordens gebrochen wird. Saladins Bruder Malek heiratet deshalb Richards Schwester und aus Jerusalem wird ein christlich- moslemischer Mischstaat. Im ,Natan”, das zur Zeit des Waffenstillstandes, der dabei ist wieder gebrochen zu werden, also 1192 spielt, finden sich viele Belege fr oder Anspielungen auf die damalige Situation: In I, 5 z.B. werden Tempelherren gefangen, die versucht hatten den Waffenstillstand zu brechen, ebenfalls in I, 5 wird von Saladins gutem Willen gesprochen: , Es gern den Konig Philipp wissen lassen:/…/ Ob die Gefahr den gar so schrecklichen, um/ Mit Saladin den Waffenstillstand,/ Den Euer Orden schon so brav gebrochen,/ Es koste was es wolle, wieder herzustellen” (644 f.) auch in II, 1 wird noch einmal betont, diesmal von Saladin selber, dass er ,gern den Stillstand aufs neu/ verlangert [hatte]” (854), indem er seine Schwester Sittah gern mit Richards Bruder und seinen Bruder Melek mit Richards Schwester verheiratet hatte.

Auch auf Barbarossa wird verwiesen: Dajas Mann ist mit ihm in einem Fluss ertrunken. Den Figuren des Sultans, des Patriarchen, des Melek und den Tempelherren liegen also geschichtliche Gestalten zu Grunde. Auch die historischen Ereignisse, wie der Judenprogrom oder die Totung der Tempelherren entspringen der Wahrheit. Trotzdem handelt es sich beim ,Nathan” keinefalls um einen historischen Roman. Er nutzt diese Kulisse nur, weil sich sein idealer Gegenentwurf vor ihr besonders deutlich entfalten lasst. AuSserdem war die Orientalistik zur Zeit der Aufklarung ein Modethema und hatte Lessing das ganze nicht in Raum und Zeit versetzt, sondern es in seinem Zeitalter spielen lassen, hatte er sich natrlich vor einem neuen Zensuredikt frchten mssen. Das er keineswegs auf eine genaue historische Wiedergabe bedacht war, merkte man z.B. am Umgang mit seinen Quellen; Die dort entnommenen Informationen gestaltete er nach seinem, ihm passenden, Konzept um. Im letzten Abschnitt wurde schon von mir erwahnt, dass Lessing z.B. bei der Gestaltung des Patriarchen wohl eher Goeze im Kopf hatte, als irgenein historisches Vorbild. Besonders zu Saladins Wirken hatte Lessing Einblick in mehrere Quellen. Zum einen war das die ,Geschichte der Kreuzzge” (1751) von Voltaire, in ihr werden die von mir schon beschriebenen Kreuzzge dargestellt. Saladin wird dabei auSserst positiv dargestellt: ,Mitten unter diesen Unruhen kam der groSse Saladin…; er eroberte Syrien, Arabien, Persien und Mesopotamien.” (von Dffel, 78).

Saladin wird aber nicht nur als groSser Eroberer, sondern auch als sehr groSszgig dargestellt, nachdem er Gegangene gemacht hat, gibt er sie auch wieder frei: ,Er verlangte von den Griechen, die in der Stadt blieben, keine Ranzion, und von den Lateinern nahm er nur eine geringe. Als er Einzug in Jerusalem hielt, warfen sich eine Menge Weibespersonen zu seinen FSsen, [die um ihre Angehorigen baten H.I.], die er gefangen hielt. Er gab sie ihnen insgesamt mit einer GroSsmuth, die in diesem Theile der Welt noch kein Exempel hatte, wieder.” (von Dffel, 79). Als Saladin dann letztendlich doch von Richard besiegt wird, ist er auch ein guter Verlierer: ,Dieser berhmte Muselmann [Saladin H.I.] der mit Richard einen Tratact gemacht hatte, vermoge dessen er den Christe Seekste von Tyr bis Joppe berlieSs, …, hielt sein Wort, davon er ein Sklave war, redlich. Er starb fnf

Quellenverzeichnis

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Kuschel, Karl Joseph: Vom Streit zum Weltstreit der Religionen. Lessing und die Herausforderung des Islams, Reihe ,Weltreligionen und Literatur”, Band 1, Dsseldorf 1998.
Bohnen, Klaus (Hrsg.): Lessings ,Nathan der Weise”. Reihe: Wege der Forschung. Band 587. 1984, Darmstadt.
Alt, Peter-Andre: Aufklarung. Stuttgart, Weimar, 1996.
Reclam: Interpretationen. Lessings Dramen. Stuttgart, 1994.
Seidel, Siegfried: Gotthold Ephraim Lessing. Leipzig, 1981.
von Dffel, Peter: G.E. Lessing. Nathan der Weise. Erlauterungen und Dokumente. Stuttgart, 1998.
Sedding, Gerhard: Lektrenhilfen. Gotthold Ephraim Lessing. “Nathan der Weise”. Stuttgart, 2000.
Albrecht, Wolfgang: Gotthold Ephraim Lessing. Stuttgart, 1997.
Kroger, Wolfgang: Gotthold Ephraim Lessing. Literaturwissen fr Schule und Studium. Stuttgart. 1995.
Kroger, Wolfgang: Nathan der Weise. Ein toter Klassiker?. Interpretationen. Mnchen, 1980.
Mobius, Thomas: Gotthold Ephraim Lessing. Nathan der Weise. Hollfeld, 2000.
Hermes, Eberhard: Interpretationshilfen. Ideal und Wirklichkeit. Lessing ,Nathan der Weise”, Goethe ,Iphigenie auf Tauris”, Brecht ,Der gute Mensch von Sezuan”. Stuttgart, 1999.
Fick, Monika: Lessing Handbuch: Leben- Werk- Wirkung, Stuttgart, 2000.
Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise. Darmstadt 1984.

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